Freitag, 23. Oktober 2009

Over The Rainbow Live in Durlach

Salve 

Die Freude auf dieses Konzert wurde ein wenig gebremst im Zuge, dass sämtliche Euphorie für den Tag zuvor bei Sacred Steel aufgebraucht wurde. Aber dennoch erwartete ich mir eine Menge und wurde am Ende bitter enttäuscht. Doch eines nach dem anderen:

Die Anreise wurde wie so oft bei Konzerten der letzten Zeit zusammen mit Diana bestritten - an dieser Stelle für diese häufigen Fahrdienste nun einmal ein dickes "Dankeschön!".

Kaum hatten wir die Festhalle zu Durlach betreten fühlten wir uns in einer anderen Welt. Dass wir nicht unbedingt den Altersschnitt repräsentieren durften war uns von vornherein klar, aber das, was es hier zu sehen gab wirkte wahrlich erschreckend: Eine solche Ansammlung von Menschen gibt es wohl sonst nirgends zu sehen: Weekend Warrior, denen ihrer Frauen extra für diesen Abend die "wilde Jeans" rausgelegt haben, der Friseurbesuch wurde extra in die darauf folgende Woche verlegt zur Unterstreichung der eigenen Wildheit, so die spärliche Frisur denn überhaupt noch eines Schnittes bedarf und schon ging die Sause los. Alte Männer, die sich lautstark begrüßen, so dass ein jeder im Umkreis von 20 Meter mitbekommt, dass man sich kennt und betretenes Schweigen auf diese Begrüßung hin, weil man sich einfach nichts zusagen hat. Man kennt sich ja schließlich nur von den 2 Konzerten im Jahr, bei denen Mutti die Erlaubnis erteilt, mal wieder richtig auf Achse zu gehen; "aber um spätestens Mitternacht bist du wieder zu Hause" - ich höre diese Worte richtig!

Ja, an diesem Abend hat man noch sehr viel mehr als Musik für seine Eintrittskarte geboten bekommen. Am Ende des Abends musste ich sogar feststellen, dass diese kleine, unfreiwillige Freakshow sogar den Höhepunkt des Abends darstellen sollte.

Der musikalische Reigen wurde eröffnet von einer Gruppe namens Dog Track. Deren Southern Rock wusste während des ersten Stücks  durchaus noch zu gefallen, bot aber absolut keinerlei Abwechslung und wurde somit zunehmens langweiliger. Und so freute ich mich jedes Mal aufs Neue, wenn ein Stück sich dem Ende zuneigte und der Sänger seine peinlichen Ansagen im Volk verbreitete. Selten war der Begriff "fremdschämen" mehr angebracht als in diesen Situationen, wenn er voller Anlauf einen Witz startete, der nicht mal das kleinste Gelächter erzeugte und er folglich - leider nicht mal sonderlich - peinlich berührt weitermachte. Welch absolutes Elend! Einzig positiv hervorheben möchte ich den Gitarristen, der durchaus was auf dem Kasten hatte, aber mit seiner optischen Erscheinung - eine Mischung aus Peter Lustig und Reinhard May - in etwa so viel Rock'n'Roll ausgedrückt hat wie 'ne Packung Seitenbacher Müsli.

Während wir uns diese Band zumindest noch angeschaut haben, war uns dies bei der folgenden ELA nicht mehr möglich: Trällerelsenalarm! Ich dachte, diese ganzen Bands, die nach dem Erfolg von Nightwish aus dem Boden geschossen sind, haben sich inzwischen schon wieder selbst dezimiert, aber weit gefehlt. Diana und ich brauchten uns nach den ersten Klängen nur kurz anschauen und uns war sofort klar, was der andere dachte und der natürliche, menschliche Fluchtreflex kam zum Tragen. In der Vorhalle haben wir uns dann vornehmlich damit die Zeit vertrieben, Menschen zu begaffen und damit hatten wir an diesem Abend echt eine ganze Menge zu tun - traurig, aber wahr!

Als ELA dann endlich fertig war, warteten wir begierig auf Over The Rainbow und das, was man uns servieren würde. Die Umbaupause dauerte wirklich sehr lange und bevor ich nun einige Worte zum Gig verlauten lasse, möchte ich den Grund vorschieben, weshalb ich dieses Konzert sehen wollte: 

Ich, wie so viele andere auch, liebe Rainbow. Diese Band hat Songs geschrieben, die Hymnen für die Ewigkeit sind und Gänsehautmomente sondergleichen erzeugen. Im Gegensatz zu den meisten Metalheads finde ich nicht nur die Phase mit Ronnie James Dio gut. Ohne Zweifel war diese Zeit die beste, jedoch hat sich Richie Blackmore im Folgenden mit Graham Bonnet und dem an diesem Abend zu sehenden Joe Lynn Turner weitere fantastische Sänger in die Band geholt und auch mit einer damit kommenden popigeren Orientierung hat Rainbow noch immer tolle Musik fabriziert. Und da es niemals wieder die Chance geben wird, Rainbow in einem originalen Line-Up zu sehen, wollte ich die Chance nutzen, zumindest etwas live zu bestaunen, was dem am nächsten kommt.

Leider war der Auftritt trotz unglaublich erfahrener Ausnahmemusiker nicht unbedingt, das, was man erwartet hätte. Jürgen Blackmore, einziges nicht-originales Mitglied und gleichzeitig Sohn des Gründers der Band, Richie Blackmore, hat in etwa die Ausstrahlung einer Mettwurst. Er hätte genauso gut hinter der Bühne spielen können - es hätte bei der Performance keinen Unterschied gemacht! Der Sound war durchgehend miserabel und wurde fast durchgängig von einem Fiepen begleitet und zu allem Überfluss stieg ganz am Ende noch die Bassgitarre aus, die erst nach Minuten des Wartens repariert wurde. Von einem professionellen Musiker mit der Erfahrung eines Joe Lynn Turners hätte man wohl erwarten können, dass er das Publikum ein wenig unterhält. Aber da war sich der feine Herr wohl zu cool dafür. Was seine Coolness angeht sollte ihm vielleicht auch mal jemand sagen, dass man sich ab einem gewissen Alter nicht mehr unbedingt in hautenge Kleidung wirft, zumal dann nicht, wenn man eine Wampe hat und folglich wie eine Mettwurst aussieht. Aber vielleicht wollte er einfach nur so aussehen, wie Jürgen Blackmore wirkt...

Gesanglich gab es an Herrn Turner nichts zu meckern - eine begnadete Stimme bleibt eine begnadete Stimme, die sich auch in hohen Gefilden absolut sicher fühlte. Doof nur, dass bei den Rainbow-Songs gar keine Stellen vorgesehen sind, in denen über die Maßen hoch gesungen wird. Wenn man dann als Sänger beweisen will, dass man es doch kann, schreit man einfach zwischendurch mal - passt zwar nicht, aber man fühlt sich toll dabei.

An der Spielzeit gab es grundsätzlich nichts zu meckern, wenn man auch durchaus den ein oder anderen Song von den ersten drei Alben mehr hätte spielen können, denn nach meiner Meinung spielt man entweder gar keinen Song aus der Dio-Ära oder aber alle Hits. Nur eine handvoll davon  anzuspielen lässt mich als Zuschauer doch etwas verdutzt die Halle verlassen.

Als Résumé des Abends bleibt die Erkenntnis, dass man sich nicht von großen Namen täuschen lassen sollte. Ich bin wirklich ein Freund von Coverbands und habe schon einige, teilweise extrem überzeugende gesehen und werde meine Lehren daraus ziehen, dass ich Coverbands nur noch dann anschauen, wenn sie sich als Liveband einen Namen erspielt haben und nicht etwa mit großen einzelnen Namen der Bandmitglieder kokettieren. Das ist auch der Grund, weshalb ich es nicht bereue, dort gewesen zu sein. Wäre ich nicht dort gewesen hätte ich mich ewig geärgert, diese Chanc verpasst zu haben und der Abend war außerordentlich lehrreich für mich.

evlaS

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