Montag, 15. Juni 2009

Mötley Crüe Live in Stuttgart

Salve

Kaum war das wahnsinnige Konzert von Heaven & Hell überstanden, stand auch schon gleich das nächste auf dem Plan.
Die erste Band des Abends, die Backyard Babies, lief wenig störend im Hintergrund. Hätte ich ein wenig mehr Songmaterial gekannt, hätte ich mich den Jungs auf der Bühne sicherlich etwas mehr zugewandt, aber auch ohne die nötige Kenntnis über die Lieder war es ganz ok.
Es war auf alle Fälle mal besser als das, was sich danach für ein Elend bot. Die Freude, gleich mit Duff McKagan einen Teil der richtigen Guns N'Roses zu Gesicht zu bekommen wich innerhalb kürzester Zeit der Ernüchterung, eine Band vor sich zu haben, die ohne weiteres mit geringerem Schallpegel auch auf der Weihnachtsfeier des örtlichen Seniorenstifts hätte auftreten können.


War ich mir am Abend zuvor noch sicher, mit Axel Rudi Pells Truppe absolute Schlaffis vor mir zu haben, wurde ich mir jetzt darüber bewusst, dass es noch viel, viel schlimmer geht. Zwar gab es immerhin kein Keyboard, aber die gebotene Musik war spannend wie eingeschlafene Füße! Da half es am Ende auch nix, wenn Duff McKagan's Loaded am Ende ein Medley aus Guns N'Roses-Klassikern gespielt haben - die dreiviertelstündige Folter zuvor war einfach durch nichts wieder gut zu machen. Also wenn das Rock'n'Roll sein sollte, dann machen Nickelback True Norwegian Speed Black Metal!
Irgendwann war es dann mal soweit, dass der Hauptact des Abends sich die Ehre gab: Mötley Crüe.

Das Material von der Crüe ist natürlich absolut herrlich anzuhören- zumindest, solange es aus den 80ern stammt. Das neue Album ist entgegen all meiner Befürchtungen gar nicht mal übel, aber es ist nicht der Party-Rock'n'Roll, den man von den Jungs hören will. Würde auf der Scheiblette nicht "Mötley Crüe" stehen, würde ich es sogar als richtig gutes Album bezeichnen. Aber es war wohl niemand auf dem Konzert mit dem vorhaben: "Hui, hoffentlich spielen die möglich viel von ihrem aktuellen Material." Leider hat das wohl niemand der Band verraten und so haben sich immer wieder neuere Songs dazwischen gemischt. Ein oder zwei Songs zwecks Promotion für "Saints Of Los Angeles" wären ja noch akzeptabel gewesen, aber es war einfach zu viel und jedes Mal, wenn ein solcher Song kam, hat die Band wieder eine ganze Weile gebraucht, mit einem alten Stück die Stimmung anzuheizen, um sie darauf wieder mit was neuem runterzureissen.


Nächster Kritikpunkt: Im Gegensatz zu Heaven & Hell - wegen der zeitlichen Nähe beider Konzerte müssen die jetzt einfach mal als Referenz herhalten - haben wir es hier nun wirklich nicht mit begnadeten Musikern zu tun. Dafür war die Crüe immer dafür bekannt, eine ordentlich Show zu bieten. Aber was war? Es standen die aus Metall gefertigte Buchstaben LOS ANGELES auf der Bühne und sonst? Nichts! Keine Pyros, keine leichtbekleideten Mädels, keine Special Effects irgendwelcher Art, keine Überraschungen. Das Bühnenbild am Vorabend bei Heaven & Hell war trotz kleinerer Halle opulenter und mit den Rauchsäulen gab es zumindest einen Effekt. Dass Mötley Crüe nicht mit dem Drumraiser aus den 80ern ankommen war mir schon klar, aber zumindest ein oder zwei kleine Überraschungen hätte man sich doch leisten können, oder?


Aber immerhin war Vince Neil gut bei Stimme. Er klang eigentlich so wie der ersten "Too Fast Too Loud". Die Stellen, bei denen es auch mal etwas rauer wurde kamen ja vornehmlich auf den späteren Alben. Kamen solche Stellen denn mal vor, hat er auch gerne mal das Publikum singen lassen. Aber nach alle dem, was der Mann sich schon eingeschmissen hat, hätte es auch wesentlich schlimmer kommen können.


Schlussendlich bin ich mir unschlüssig, was ich von dem Abend halten soll: Es war wirklich schön, die unglaublichen Hymnen aus den 80er endlich einmal zu Gehör zu bekommen, aber die Menge an neuen Songs war einfach zu groß. Und von meiner Vorfreude auf ein besonderes Konzerterlebnis bleibt nunmehr vornehmlich Ernüchterung ob des Mangels an Show. Und eine absolut miserable Vorband sorgte schlussendlich dafür, dass ich den Abend als weniger gelungen als erhofft bezeichnen muss.
Ich bin froh, Mötley Crüe zumindest einmal gesehen zu haben, aber ich denke, fortan gebe ich mich mit deren Alben zufrieden. Nochmal, muss ich sie nicht unbedingt sehen. Zumindest dann nicht, wenn sie in der Form dieses Abends sind.
Und um nochmal auf den Vergleich zurückzukommen: Heaven & Hell waren tags zuvor mit einem 20 Jahre älteren Sänger in sämtlichen Belangen die eindeutig bessere Band!

evlaS

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