Mittwoch, 29. April 2009

Review: Heaven & Hell - The Devil You Know

Salve

Mein erstes Review schreibe ich gleich zu einem - wie ich hoffen will - absoluten Hochkaräter. Noch habe ich keinen Ton gehört und somit werden die folgenden Worte quasi live zu dem was mein Ohr erreicht niedergeschrieben. Es geht um das seit langer Zeit von mir heiß ersehnte Debütalbum von Heaven & Hell. Wobei Debütalbum an dieser Stelle sicherlich der falsche Ausdruck ist, handelt es sich doch bei allen beteiligten erstens um langjährige und in Erfahrung nicht zu schlagende Musiker und zweitens war das Ensemble in dieser Konstellation bereits für zwei Alben zuständig, allerdings unter anderem Namen: Damals gingen die Veröffentlichungen noch unter dem Namen "Black Sabbath" über die Ladentheke. Mimimiert man die Band auf die beiden wohl wichtigsten Akteure, Ronnie James Dio sowie Tony Iommi gesellt sich zu den beiden angedeuteten Alben "Mob Rules" und "Dehuminizer" auch noch das für die aktuelle Besetzung namensgebende Werk "Heaven & Hell". Ein Klassiker des Heavy Metal, wie es sie nur wenige gibt. Ich muss sogar ehrlich gestehen, dass dieses Werk das für mich das Wichtigste in der großen Diskografie Black Sabbaths ausmacht. Ich halte Ozzy Osbourne nicht unbedingt für einen begnadeten Sänger, bin aber doch großer Fan von ihm und all seinen Werken. Aber es gibt wohl niemanden im Bereich des Hard & Heavy, der an die Leistungen von Ronnie James Dio anknüpfen kann. Und wenn sich dazu noch eine musikalische Offenbarung wie beim Album "Heaven & Hell" gesellt ergibt sich ein Werk, das man immer und immer wieder hören kann, ohne dass sich Abnutzungserscheinungen ergeben.
Ob dieses bei "The Devil You Know" auch der Fall ist kann und will ich heute nicht klären - die Zeit wird es zeigen. Auch werde ich meinen ersten Hördurchlauf keinesfalls mit den Ansprüchen angehen, es hier mit einem Nachfolger dieses Meisterwerks zu tun zu haben. Diese Messlatte ist einfach zu hoch. Ich möchte dieses Album unvoreingenommen anhören und starte genau JETZT!


01. Atom & Evil: Es schwerer, schleppender Einstieg. Wenn es nicht schneller wird regiert hier aber mal ganz extrem schwerer Doom, den ich zwar erst in letzter Zeit, aber dafür umso heftiger zu lieben gelernt habe.
Ja, der erste Eindruck täuscht nicht: Schwerer Doom mit einem stellenweise alles zerfetzenden Bass und Dios Stimme fügt sich sanft in dieses Werk ein. Noch macht er keinen ausgiebigen Gebrauch seinen mächtigen Organs und stellt sich voll in den Dienst des Liedes.
Als Einstieg für dieses Album finde ich den Song sehr mutig - "Neon Nights" war seinerzeit ja doch ein sehr schneller und eingängiger Song. Aber das Experiment ist gelungen - "Atom & Evil" setzt sich nicht sofort im Gehörgang fest, weist aber großes Potential auf, genau dies nach mehrmaligem Hören zu tun.

02. Fear: Das Anfangsriff hat einen ganz leicht orientalischen Touch und Dio darf seiner Stimme etwas mehr Raum geben. Der Refrain klingt sehr stark nach der Dio-Band.
Auf den ersten Eindruck ist Dios Stimme wie immer über jeden Zweifel erhaben, aber insgesamt ein nicht ganz überzeugendes Lied, dem ich jetzt mal attestieren möchte, dass das Poetential zu wachsen nicht in dem Maße vorhanden ist wie beim Albumseinstieg.

03. Bible Black: Ein stimmungsvoller Einstieg mit Akustikgitarre - ich liebe es! Ich höre da in ein oder zwei Momenten so ein klein wenig "Always Somewhere" von den Scorpions raus, aber dann auf einmal geht's los: Eine sich langsam aufziehende Gewitterfront nach einem schönen, sommerlichen Tag ergibt sich vor meinem geistigen Auge. Hin und wieder kämpft sich noch ein einzelner Sonnenstrahl und verleiht der Erde einen kurzen Augenblick Helligkeit um im nächsten Moment wieder von den Wolken aufgefressen zu werden. Komme noch was wolle - das hier muss ein Höhepunkt des Albums sein, so gut wie dieses Lied ist!

04. Double The Pain: Ist das Jamiroquai? Ein Einstieg, der fast schon funky daherkommt geht über in eine der wohl schnelleren Nummern des Albums; zumindest die schnellste, die bisher kam. Der Refrain bleibt ganz ohne jeden Zweifel vom ersten Hören an im Ohr.

05. Rock And Roll Angel: Uftta, was ist das für ein Einstieg? Das klingt ja fast nach Soundgarden. Das ist nicht unbedingt, was man von einem Songtitel wie "Rock And Roll Angel" erwartet - ich hätte jetzt doch ein wenig mehr Anlehung an Rainbow und deren "Long Live Rock And Roll" erwartet. Sogar der Refrain klingt mehr nach Alternative Rock als richtigem Metal - ich fürchte, mit diesem Lied kann ich nicht so richtig warm werden.

06. The Turn Of The Screw: Ein Lied, das ein paar sehr geile Wendungen offeriert, mit denen man so nicht unbedingt rechnet. Der Vielseitigkeitssieger bislang.

07. Eating The Cannibals: Hui, das geht ja schnell los. Oder kommt mir das nur so vor, weil der Rest des Albums bislang so doomig-schleppend war? Wie auch immer: Der Song ist extraklasse!

08. Follow The Tears: Abermals ein sehr schwergängiger Titel, der so eigentlich genauso auch auf der Dehumanizer stehen könnte, wie ich finde.

09. Neverwhere: Wieder ein etwas festerer Tritt aufs Gespedal, ohne dieses jedoch voll durchzudrücken. Leider läuft es so ein wenig unbemerkt im Hintergrund vor sich hin - nicht gerade der herausragendste Song des Albums.

10. Breaking Into Heaven: Mächtiges Brett - da wird aber anfangs gleich mal eine mächtige Riffwand aufgestellt. Und diese Wand ist hoch. Und breit. Und sie zieht sich durch den gesamten Song.

Résumé: Ich habe es mir selbst ganz schön schwer gemacht mit meinem Vorhaben, das Album bereits beim ersten Hören beurteilen zu wollen. Auch wenn ich das nicht wolle muss ich einmal einen Vergleich zum 1980er Werk anstellen: Dieses hatte viel mehr schnelle Lieder, die sich gleich festgesetzt haben, ohne über die Zeit hinweg allerdings langweilig zu werden. Es war einfach erstklassiger Heavy Metal.
Das neue Album ist von Anfang an gleich darauf ausgelegt, auf Dauer gehört zu werden. Das Material ist sehr schwer und der Begriff "Doom Metal" beschreibt es wohl sehr viel treffender. Ein abschließendes Urteil möchte ich mir deshalb nun erst einmal verkneifen, denn ich denke, all das, was ich weiter oben stellenweise als negativ angekreidet habe wird sich noch genau zu den positiven Highlights mausern, die ich momentan noch etwas vermisse.

Abschließend noch ein paar Worte zum Albumcover: Es stammt von einem Künstler namens Per Haagensen und ist an sich ja schon recht heftig für ein solches Werk, dass doch auf gewisse kommerzielle Erfolge hinauszielt. Noch heftiger ist allerdings das Originalwerk, das in voller Größe und Originalfarbe einem alptraumhaften Szenario eines Hieronymus Bosch in nichts nachsteht:


Ein Blick auf die Homepage des Künstlers ist mehr als nur einen Blick wert, wenn man - so wie ich - auf derartige Bilder steht.

evlaS

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