Freitag, 20. Februar 2009

Demons & Devils Tour 2009


Salve

Der lange herbeigesehnte Tag kam endlich: Es standen Konzerte von vier Bands auf dem Plan, auf die ich mich alle gleichermaßen freute und aus dem nachhinein betrachtet kann ich auch sagen: völlig zu Recht!
Doch eines nach dem anderen: Zuerst musste ich nach Pforzheim, was von Karlsruhe zum Glück ja quasi gleich um die Ecke liegt. Nach nur etwa einer Stunde war ich vor Ort und hatte laut Google Maps vom Bahnhof aus noch in etwa 1,5 Kilometer zurückzulegen. Kein großes Problem an sich. Unterwegs stieß ich auf eine Gruppe Kuttenträger, die gerade in einen Bus einstiegen und im Wissen darüber, dass einer von denen auch aus Pforzheim kommt, schloss ich mich denen gleich mal an in der Hoffnung, noch ein wenig Zeit zu sparen. Wie sich leider herausstellte war jener Pforzheimer absolut ortsunkundig und wir mussten nach einer gewissen Weile feststellen, Pforzheim bereits seit geraumer Zeit hinter uns gelassen zu haben.
An sich wäre das nicht weiter tragisch gewesen - ich bin schließlich extra früh losgefahren, um auch ja keine Sekunde der ersten Band zu verpassen, aber die Rückkehr nach Pforzheim dauerte als wesentlich länger als irgendjemand vermutet hätte. In mir stieg ein leicht nervöses Kribbeln auf, ob ich es wohl alles vom den Reigen eröffnenden Act mitbekommen würde und auch manch ein Mitfahrer hatte in mit sich aufkommenden Problemen zu kämpfen - Blasendruck ohne Möglichkeit der Erleichterung ist keine feine Sache. Die als Lösung herhaltende Einkaufstüte erfüllte in der Menge ihren Zweck auch nicht ordnungsgemäß und so wurde die Weiterfahrt für manch einen der Kollegen zur Tort(o)ur.
Aber auch das Schlimmste hat irgendwann ein Ende und das Kupferdächle wurde kurz nach 19:30 Uhr erreicht - wäre alles nach Zeitplan gelaufen wäre ich also minimal zu spät dran gewesen. Ich eilte also zur Kasse, drückte Simone meinen Penunzen in die Hand und fragte, ob es schon losgegangen sei. Ihre Antwort, dass es wohl jeden Moment so weit sei, ließ mich kurz erleichtert aufatmen. Ich sprintete vor die Bühne und nur wenige Sekunden bevor das Iron Maiden-Intro sein Ende fand stand ich in der ersten Reihe für ein absolutes Highlight: Der erste Gig von den mehr als nur absolut grandiosen CRUEL FORCE!



"Witches Curse" bildete einen Einstand nach Maß und eine nicht zu verachtende Zahl an Kuttenträgern schüttelte fröhlich die Mähne. Das anschließende "Deathstrike" rumpelte leider nur kurz vor sich hin, als Kevs Gitarre bzw. der Verstärker auch schon keine Lust mehr hatte - Feierabend. Die Lösung brauchte in des ein wenig Zeit, aber gerade diese Zeit wurde genutzt, um die Reihen zu füllen und so wurde es Zunehmens voller. Versuch Nummer zwei ging dann auch fehlerfrei über die Bühne und Kev ließ sich nicht beeindrucken, sondern beeindrucke im Gegenzug mit einem grandiosen Stageacting und so wurde die Gier nach Cruel Force nur noch größer und so hat die Band dann auch gleich ihre Bandhymne an den Mann gebracht.



Beim anschließenden Song "Victim Of Hellfire" wurde mir dann noch eine ganz besondere Ehre zu Teil: Dass ich großer Fan von Cruel Force bin sollte sich ja mittlerweile schon ein wenig rumgesprochen haben und so war es für mich nur eine logische Konsequenz, mir ein Shirt mit ihrem Logo zu basteln. Wegen eben jenes Shirts wurde ich auf die Bühne geholt und mir wurde der Song gewürdigt. Vielen Dank, Riesling - es ist mir auch jetzt noch eine verdammt große Ehre!


Als ob die Stimmung zu diesem Zeitpunkt nicht schon erstklassig gewesen wäre, kam ein Zugabenteil, der sich gewaschen hatte. Mit der Ankündigung, dass alle, die den folgenden Song nicht kennen bitte auf der Stelle die Räumlichkeiten verlassen wurde "Black Metal" von niemand geringeren als den mächtigen Venom zelebriert. Seinen Platz in der ersten Reihe zu verteidigen war ein schwieriges Unterfangen und spätestens beim nächsten Song unmöglich. Riesling schnallte das Mikro bis knapp unter die Hallendecke und damit war klar, welcher Band nun Tribut gezollt würde - Motörhead mit ihrem mächtigen "Bomber" sollte es werden.

Jetzt erst einmal ein kleines Päuschen - Hellish Crossfire habe ich mir mit ein wenig Abstand angeschaut. Ich komme scheinbar in ein Alter, in dem ich nicht mehr stundenlang bangen kann, dass die Hirnrinde raschelt. Die Band war wieder - wie nicht anders zu erwarten - voller Energie, die sie voll auf das Publikum übertragen hat und so wurde ein Knaller nach dem anderen durch die Boxen gejagt - herrlich! Vorne haben sich wieder die Leute ausgetobt, denen man deutlich auch den Spaß angesehen hat, den sie hatten.

Zu Enforcer kam ich leider einen Moment zu spät und so war der erste Song schon vorüber, als ich es mir in der dritten Reihe gemütlich machen konnte. Was hier ablief war nicht mehr normal. Hat die Band mit ihrem Debutalbum schon ein Meisteralbum von Gottes Gnaden auf die Menschheit losgelassen, war das, was hier live aufkam sogar nochmals besser. Ich verspürte in mir den dringenden Zwang, weiter nach vorn zu kommen. Nach dem dritten Song war es soweit und es wurde einer frei, der sogleich meiner werden sollte. Jetzt konnte der Genuss erst richtig losgehen! Diese Band ist der Wahnsinn. Betonen möchte ich vor allem, dass der Basser ein absolutes Tier ist. Nicht nur, dass er eine tragendere Rolle als sonst üblich inne hat; nein - auf der Bühne gibt er alles. Rennt auf der Pinocchio-Bühne von einer Ecke in die andere und stachelt das Publikum zu Höchstleistungen an und so war auch das Instrumental "City Lights" kein einfacher Lückenfüller sondern ein vollständiger Kracher. Was der Sänger darüber hinaus vom Stapel ließ war aber ebenfalls der helle Wahnsinn!


Der Junge hat ein Charisma, dass man fast schon geblendet wird. Als ich ihm dies nach dem Konzert sagte, nahm er dieses Lob nur widerwillig an. Auf der Bühne das absolute Tier, dahinter nur ein Schoßhündchen - hat ja aber auch schon bei Freddie Mercury erstklassig geklappt!
Enforcer waren DAS Highlight des Abends für mich und leider war das Konzert viel zu kurz. Aber ich habe jetzt in etwa die Vorstellung, wie es sich wohl angefühlt hat, als die Leute Iron Maiden zu Beginn ihrer Karriere gesehen haben und noch ein wenig der Punk regierte. Auch wenn mich manche dafür steinigen werden: Enforcer sind an diesem Abend zu meinen kleinen, heimlichen Iron Maiden geworden! Amen.

Von den anschließenden Portrait habe ich gar nicht mehr so viel mitbekommen, da ich die ganze Zeit draußen stand und mal wieder eine ganze Menge sympathischer Menschen kennenlernen durfte. Unter anderem auch einen Dortmunder und einen aus Gelsenkirchen - an einem Abend, an dem Schalke gegen den BVB eine durchaus explosive Mischung. Meine Anfeindungen gegen Schlacke fanden aber leider beiderseits wenig Anklang, da sie - zumindest was das Derby betrifft - beide hinter den Knappen stehen.
Einen seelenverwandten mit dem scheinbar absolut identischen Musikgeschmack zu mir fand ich in Breiti - an dieser Stelle einen herzlichen Gruß an dich!
Nicht unerwähnt bleiben lassen möchte ich, dass der neue Sänger bei Portrait bei mir so gar keinen King Diamond-Eindruck hinterlassen wollte - war das nicht das besondere Kennzeichen dieser Band? Das Material ist natürlich weiterhin erstklassig, aber das Gänsehautgefühl kam nur auf, als sie einen Song gecoveret haben, mit dem ich bei der Band nicht gerechnet hatte, mich aber dafür umso mehr freute: "Love Gun" von den eigentlich unnachahmlichen KISS wirkte durchaus überzeugend. Aber das Publikum schien dafür auch offen zu sein - der überwiegende Teil der Meute reagierte an diesem Abend positiv auf meine Kutte.

Schlussendlich aus war gegen 3 Uhr und ich machte mich bewaffnet mit Whiskey-Cola auf den Heimweg mit dem wohligen Gefühl, wohl eines der absoluten Konzerthighlights des Jahres gesehen zu haben.

Vielen Dank an die "Old School As Fuck"-Leute, an die Bands - im Speziellen hier nochmals an Riesling - und an die vielen netten Menschen!

evlaS