Samstag, 23. Februar 2008

Thrash Assault #2


Salve

Endlich war es soweit – das seit Monaten ins Auge gefasste Konzerthighlight des Jahres (zumindest bis zur Ankündigung der KISS-Europatournee) kam und es gab so viel, was an dem Abend geschah, dass ich mich nach vielen Jahren mal wieder entschlossen habe, einen kleinen Konzertbericht zu verfassen, damit all die vielen Kleinigkeiten nicht in Vergessenheit geraten.

Los ging es für mich zu einer recht humanen Zeit: Mein Zug fuhr um halb zehn und nach einer nur zweistündigen Fahrt, untermalt von den schönen Klängen von Aria, Ritual Steel, Rock Goddess und nicht zuletzt Sodomizer kam ich auch schon im Thrash Metal-Mekka dieses Wochenendes, Würzburg, an. Ungefähr eine halbe Stunde später trudelte dann auch Anna ein, die es wesentlich härter getroffen hat, musste sie doch schon quasi mitten in der Nacht um fünf Uhr aufstehen.
Ihrer Laune tat dies jedoch keinen Abbruch und so machten wir uns auf den Weg in die Stadt in der Hoffnung, dass wir einen Ort finden, an dem wir unseren Hunger befriedigen können. Doch es hat sich nichts angeboten, was die hohe Messlatte eines bayrischen Burger Kings zu diesen Tagen hätte übertreffen können. In diesem Bundsland gibt es momentan nämlich eine Aktion, die es einem erlaubt viel Burger für wenig Geld zu erhalten – ein Dank gilt dem zu diesem Zeitpunkt noch in München verweilenden Matze für diesen Hinweis.
Da der Bürgerkönig jedoch nicht in Bahnhofsnähe ist, hielten wir uns fortan strikt an den vorgefertigten Zeitplan, den ich in Ermangelung von Spontanität am Tag zuvor erstellt hatte. Kurz ein paar Burger abgegriffen ging es dann auch weiter in Richtung Hotel.
Dass wir an der Haltestelle „Justivollzugsanstalt“ halt machten gab uns schon ein klein wenig zu denken, aber erste Bedenken wurde erst dann geäußert, als wir auf dem Weg dorthin eine Schranke passieren mussten. War hier die Grenze zwischen der zivilisierten Welt hier und der Welt des Verbrechens jenseits?
Kaum aus dem Bus ausgestiegen bekam Anna auch schon die ersten ihr gegoltenen Brunftschreie eines Bewohners dieser uns so fremden Welt zu hören. Ein Mensch mit Goldkettchen um den Hals und BWM unter dem Arsch schlürfte an der Auster des kleinen Mannes, vielleicht in der Hoffnung, eine Perle zu finden. Was er fand waren aber nur außerordentlich widerliche Geräusche.
Weiter ging es ohne Umschweife zum Hotel, wo das Einchecken dank der Segnung eines modernen Automaten…äh…etwas mehr Zeit in Anspruch nahm. Aber auch diese Aufgabe wurde bewältigt und kaum im Zimmer angekommen sahen wir uns erneut mit der Thematik „Knast“ konfrontiert. Angesichts des Bades und der Toilette (wohlbemerkt ohne Klobürste) bin ich mir noch immer nicht ganz sicher, ob es sich nicht vielleicht um ein Nebengebäude der JVA, geführt von Knackis mit guter Führung, handelte. Aber egal – wie waren nicht hier, um die schöne Aussicht mit einer Baustelle nebst toller Erdkuhle zu bewundern, sondern nur, um unser Zeug abzustellen und zum gemütlichen Teil des Abends über zu gehen. Also machten wir uns nur etwas frisch, kleideten uns um und machten uns mit der ein oder anderen alkoholischen Erfrischung auf den Weg.
Auch hier hat sich wieder ausgezahlt, dass mir scheinbar sämtliche Spontanität flöten gegangen ist und ich einen Wegplan dabei hatte. Nach einem nicht allzu langen Eilmarsch erreichten wir den Veranstaltungsort. Der Besuch des auf dem Weg liegenden Dolly Buster-Centers wurde vorerst auf einen späteren Zeitpunkt verschoben – leider ein Fehler, wie sich später noch zeigen sollte.
Aber jetzt erstmal METAL! Am Parkplatz des Soundpark-Ost war ein Riesenauflauf von Kuttenträgern dass mir einfach nur das Herz aufging – herrlich.
Vor Ort war mit Thomas aus Kassel bereits seit längerem ein drittes Mitglied der Thrashing Metal Maniacs. Dieser geizte nicht mit der Herausgabe von Bier, an dem ich mich auch mehr als nur einmal bedient habe. Deswegen von hier aus noch mal einen echt herzlichen Dank für die vielen Kolben – gibt demnächst im Gegenzug auch die versprochene DVD!
So tranken wir also, lauschten den schönen Klängen aus dem Kofferraum und freuten uns auf das, was da kommen sollte.
Die erste Band war mal wieder Nocturnal. Jedes verdammte Mal, wenn ich die sehe, werden die als erstes auf die Bretter geschickt. Dabei waren sicherlich nicht nur wir einhellig der Meinung, dass die einen Platz wesentlich weiter vorne im Billing verdient hätten. Die zahlreichen Nocturnal-Shape-Patches, die man immer wieder an Kutten im Verlauf des Abends zu Gesicht bekommen und die erst am Tag zuvor verschickt wurden, waren auch ein deutliches Statement und sprachen für sich.



Zum Glück wollte Anna schon ein ganzes Stück vor offiziellem Beginn die Halle stürmen, denn der Einlass ließ trotz nicht allzu großen Andrangs auf sich warten.
Drinnen erkundete Anna zuerst einmal, wenn auch unabsichtlichund auf der Suche nach eine anderen Ort, ungestört den Backstagebereich und dann ging es los – mein persönliches Highlight des Abends Nocturnal fing an und es dauerte auch nur wenige Sekunden und ganz vorne füllte es sich rasch und und es wurde in der ersten Reihe richtig eng. Die Band war natürlich mal wieder über jeglichen Zweifel erhaben und dank eines Absperrgitters gelang es dem Sänger dieses Mal auch nicht, mich wie beim vorletzten Mal mit dem Mikroständer zu verprügeln.
Zur Songauswahl kann ich gar nicht so viel sagen – die machen einfach nix schlechtes, auch wenn ich zugegebenermaßen einiges dafür geben würde, Nocturnal zumindest einmal im Line-Up mit Andy live sehen zu dürfen. Aber hat halt nicht sollen sein und wie heißt es so schön: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Vor allem dem Erfurter Flo dürften diese Worte durch den Kopf gegangen sein, da es ihm erst mit den letzten Klängen von Nocturnal gelang die Halle zu stürmen. Langwierige Maßnahmen am Einlass waren auch hier der Grund.

Die nächsten beiden Bands Runamok und Gama Bomb fanden beim Rest keinen großen Anklang und auf Grund dessen, dass ich die gar nicht kenne, habe ich mich angeschlossen, noch ein wenig das herrliche Wetter mit warmen Sonnenschein und nicht ganz so kühlem Bier zu genießen.

Erst zu Desaster ging es wieder in die Halle. Während Anna tapfer ihren Weg bis ganz nach vorne erkämpfte, fand ich mich plötzlich im Moshpit wieder. Da ich kein großer Freund des Pogos bin, schlug ich den Weg in die Gegenrichtung ein und schaute mir den Gig aus sicherer Entfernung an. Und auch wenn ich kein so großer Fan von Desaster bin und mir am allerliebsten „Metalized Blood“ wegen der Gastsänger in stundenlanger Dauerschleife anhöre, muss ich doch zugeben, dass die Jungs live eine absolute Bank sind.
Ganz bis zum Ende habe ich mir das Konzert jedoch nicht angehört, sondern bin raus und habe eine ganze Weile damit verbracht, mir die Zeit mit ständig wechselnden Gesprächspartnern zu vertreiben.

Als At War schon zu Gange waren, hab ich dann wieder Flo aufgegabelt und wir sind auf eine Art Balkon am hinteren Teil der Halle, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Bühne hatte. Ich nutzte die Chance, um ein wenig zu filmen und war damit nicht allein. Der Mann, der gleiches tat reichte mir auf einmal über meine Schulter einen At War-Button rüber und es stellte sich heraus, dass er zusammen mit seiner Frau und seiner Mutter da war und verwandt mit einem aus der Band war und sie extra aus Amerika angereist waren. Wir sind ins Gespräch gekommen und seine Frau Diana zeigte mir auf ihrem Handy ein Bild von sich und einem langhaarigen Kerl. Sie fragte mich, ob ich diesen Kerl denn kenne – damit geriet sie an genau den richtigen. Das Bild zeigte sie mit keinem Geringeren als Schmier von Destruction. Meine Reaktion hierauf war natürlich begeistert und als ich fragte, woher sie ihn denn kenne, sagte sie, dass sie ihn erst kurz zuvor kennen gelernt hatte, da er nämlich vor Ort ist. Meine Begeisterung hierüber war natürlich nochmals größer und ich konnte es kaum glauben. Sie freute sich mit mir und machte mir eine riesengroße Freude, indem sie mir ein Bändel für den Backstagebereich besorgt hat, zu dem wir uns dann auch gleich auf den Weg machten.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon etwas mit meinem Englisch zu kämpfen, auch wenn Diana mich beruhigte, dass es gar nicht so übel sei – war aber doch wohl eher nur eine höfliche Floskel. Wobei – angesichts der Tatsache, dass sie mir Backstage ein paar kostenlose Bier besorgt hat, schien ich wohl doch keinen so üblen Eindruck vermittelt zu haben.
Natürlich ließ ich vor Ort die Chance nicht aus, mit Schmier Bilder zu schießen und anzustoßen.

Dann sind Diana und ich wieder zurück, wo ich mich nochmals freudestrahlend bei ihr, ihrem Mann und dessen Mutter bedankt habe. Schließlich haben sie mir einen nicht für möglich gehaltenen Extraausflug ermöglicht.
Michael hat mir dann noch sein Kärtchen gegeben und ich habe versprochen, mich zu melden. Werde die Mail jetzt gleich schreiben, wenn ich diesen Bericht fertig gestellt habe.

Was habe ich denn danach so gemacht? Hm – irgendwie waren das ein paar Erlebnisse zu viel an einem Tag, um alles korrekt wiedergeben zu können.
Irgendwann saß ich daraufhin auf alle Fälle mit Schmier an der Bar und wir haben ein gutes halbes Stündchen miteinander gelabert und er hat meine vielen Fanfragen beantwortet und eine Menge geiler News verlauten lassen.
Später (oder zuvor) hab ich auch noch mit Evil Avenger von Nocturnal gelabert, der mir verriet, dass sowohl er als auch Schmier im selben Hotel (Knast?) wie Anna und ich abgestiegen sind. Diese Information wird am Ende des Tages noch von Relevanz sein.

Von Protector's habe ich gar nix mitbekommen, jedoch Onslaught habe ich wieder gesehen. Wenn auch vom Eingangsbereich aus, wo ich auch noch einige Gespräche geführt habe. Was ich gehört habe, hat mir allerdings außerordentlich gefallen.



Die Pause danach verbrachte ich wieder mal draußen, wo es trotz so später Stunde für einen Februartag wunderbar warm war.

Während Sabbat ging erwartungsgemäß die Luzie und für einen Platz weit vorne war ich leider zu spät dran. Deshalb entschied ich mich dafür, wieder hoch auf den Balkon zu gehen. Dort konnte man zwar nicht Vollgas geben, aber hatte dafür eine verdammt gute Sicht auf die Bühne und die Show, die Martin Walkyier abliefert ist ja auch sehenswert. Trotz eigenen Aussagen, sie hätten massenweise technischer Probleme, war dieser – für mich erste – Sabbat-Gig absolut Killer und Martin hatte die Masse voll in der Hand, was sicherlich auch zu großen Teilen daran lag, dass er komplett alle Ansagen auf Deutsch gemacht hat, womit ich persönlich nicht gerechnet hätte.


Danach waren zwar die Konzerte aus, aber die Party noch lange nicht Schluss. Eine kleine, lang gesuchte Trophäe gab s auch noch zu erstehen: Ich kaufte mir ein lange gesuchtes T-Shirt von SAVAGE GRACE. Meine Freude hierüber kannte keine Grenzen.
Vor der Tür und später an Thomas Auto wurde dann noch weitergefeiert.
Auch hier ab ich mal wieder etwas mit Lücken zu kämpfen, aber ich erinnere mich vor allem an die wohltuenden Pommes zu spät fortgeschrittener Stunde und dass ich voller Stolz und in vielerlei, sich gewiss wiederholenden Ausführungen, von meinen Erlebnissen berichtet habe.

Um der Party einen würdigen Abschluss zu verleihen, standen uns dann zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Entweder, wie gehen zurück zum Soundpark Ost, wo es weitere Räumlichkeiten mit Hip Hop und sonstiger, zu unserem Outfit mehr als unpassender Musik gab oder, wir laufen zurück zum Dolly Buster-Center. Anna wollte sich davon überzeugen ob Giana S. dort anzutreffen war, doch sie wurde überstimmt und so gingen wir zurück zur Disco. Dort war man inzwischen aber wenig kulant und verlangte dreisterweise Eintritt. Selber Schuld – wenn sie uns nicht reinlassen, suchen wir uns halt was anderes und so entsprachen wir doch noch Annas Wunsch nach dem Dolly Buster-Center. Dieses hielt aber nicht die vollmundigen Versprechen, die die hell-leuchende Neonreklame mit sich brachte – der Schuppen war zu!
Da sich gegen 4 Uhr erste Ermüdungserscheinungen einstellten begaben sich die vier letzten Warrior Thomas, sein Kumpel Javier, Anna sowie meine Wenigkeit an die ihnen zugedachten Schlafstätten.



Der Rückweg zum Hotel ging schneller als mir der Hinweg vorkam und dort angekommen wurde die erste Schranke – die Haupteingangstür – mittels eines Zugangscodes locker durchbrochen.
Die Eingangstür zu unserem Hotelzimmer hingegen bereitete mir sichtliche Probleme. Ich habe ungefähr zehn Mal versucht de Türe zu öffnen, doch da regte sich nix. Auch Anna versuchte ihr Glück doch auch ihr war das Glück nicht hold.
Ich versuchte dieses Glück im Nebenzimmer zu finden. In diesem war nämlich die Tür auf ich dachte, das dies dann wohl auch nicht bewohnt sein könnte. Leider lag ich mit dieser Vermutung daneben, denn drinnen fanden sich nur Menschen, die leise vor sich hinschlummerten. Auf leisen Sohlen verließ ich das Zimmer und fragte mich, warum die denn die Tür nicht zumachen. Na ja – unsere Sorge sollte es nicht sein. Unsere Sorge war viel mehr, die Nacht vor verschlossener Tür zu verbringen. Doch in einem weiteren Versuch gelang es schlussendlich, dass die Türe sich doch öffnet – was für ein Glück.
Meine kurz zuvor geäußerte Vermutung, dass ich Schmiers Stimme in Zimmer genau gegenüber gehört habe nahm Anna zum Anlass, einfach mal mitten in der Nacht anzuklopfen. Von dem Vorhaben war sie auch nicht abzubringen und so erfreute sie die Menschen im Zimmer mit den fröhlichen Worten „Hallo, Zimmerservice“. Absolut geil und definitiv die Aktion des Tages!
Gesteigert wurde das ganze nur noch davon, dass da drinnen tatsächlich Schmier und noch ein paar andere Leute waren. Unter anderem ein glatzköpfiger Ire, der meine KISS-Kutte zum Anlass nahm, sich nicht sonderlich positiv über diese Band zu äußern. Auch allgemein schien ihm der Whiskey-Cola, an dem er mich freundlicherweise teilhaben ließ, etwas zu Kopf gestiegen zu sein.
Wir haben also noch ein Viertelstündchen bei de Herren Rockstars verbracht uns sind dann endgültig zurück in unser – inzwischen zum Glück offenes – Zimmer zurückgeehrt. Dort hat Anna mich erstmal darüber aufgeklärt, dass das der Sänger von PRIMORDIAL war und er ihn ihrem Ansehen erstmal tief gesunken ist.
Jetzt war es aber echt mal bitter nötig für die Heia – insbesondere für Anna, die zu diesem Zeitpunkt 24 Stunden am Stück auf den Beinen war und durchgängig mehr als Vollgas gegeben hat.

Der nächste Tag wurde etwas ruhiger angegangen und ein ZDF-Special am Morgen ließ Annas Liebe zu Wolle Petry neu entfachen. Dessen Musik und eine Dusche sorgten für die nötige Energie, um zumindest noch ein Fünkchen Kultur mitzubekommen und ein wenig die Stadt Würzburg anzuschauen. Besonders hervorheben möchte ich die Ufermauer des Mains, die bei herrlichstem Sonnenschein zumindest noch ein kleines bisschen Lebensenergie in uns zu wecken vermochte. Oder war das nur die Kraft der Müdigkeit, die ich in mir aufkeimen spürte?

Alles in allem war es ein absolut grandioses Wochenende mit saucoolen Leuten, hammergeiler Musik, tierisch geilem Wetter und Erlebnissen, von denen ich meinen Enkeln noch erzählen kann – vorausgesetzt, sie werden Destruction-Fans…